Dienstag, 7. Januar 2014

Surfen an Weihnachten – Bungy-Sprung zu Silvester (Zeitungsartikel)

(Da die TLZ ihn seit ca. 1 Monat noch nicht veröffentlicht hat, tue ich dies nun selbst online!)
Hier ist mal wieder ein Lebenszeichen von mir, Christoph, einer der Eichsfelder, der in Neuseeland Erfahrungen mit Land und Leute sammelt. Ich bin nun schon über 2 Monate in Neuseeland. Zeit um mal Urlaub zu machen. Im vergangenen Monat habe ich versucht, so viel Geld wie möglich auf den Kiwiplantagen zu verdienen. Hoffentlich reicht es für die geplante Reise mit Josua und Laura. Wir erkunde innerhalb von 3 Wochen hauptsächlich die Südinsel Neuseelands.

Tauranga. Ich verabschiede mich von meinen Gasteltern Heike und Bryan, die mich für 4 Wochen bei sich beherbergt haben.
Auckland. Ich treffe mich mit Laura (bekannt aus dem ersten Artikel) und Josua, aus Küllstedt, der für 3 Wochen seine Freundin besucht. Auf der Fahrt zu unserer ersten Station halten wir an einem Strand mit dem Namen Piha: Schwarzer Sand von Vulkanasche und sehr eisenhaltig. Uns bietet sich ein Blick auf bewachsene Felsen die die Küste säumen, nebenan Steinstrand, Das Wasser der Tasman See bricht sich schäumend an den Klippen. Der Urlaub nimmt seinen Lauf.
Piha: Laura, Josua und Christoph (von rechts nach links :)
Raglan. Für ein paar Tage sind wir in dem Surf-Ort an der Westküste. Angeblich haben hier schon so manche Berühmtheit gewohnt. Aber niemand hat sie je gesehen. Dort gibt es auch schwarzen Sand. Hier probieren wir uns im Surfen. Mein Surflehrer Wudamo ist Maori und ist mit den Wellen aufgewachsen. Auf dem Trockenen üben wir das Aufstehen auf dem Brett. Klappt einwandfrei. Im Wasser mit Neoprenanzug und Softboard (Leichtbrett) schaffe ich es in 2 Tagen gerade mal 3 Wellen im Stehen zu reiten. Meine Reisekollegen Laura und Josua machen eine deutlich bessere Figur auf dem Brett. Am dritten Tag regnet es. Kurzer Hand setzen wir uns ins Auto und fahren zu dem nahegelegenen „Bridal Veil Falls“ (Wasserfall).

Da ich dieses Jahr an Weihnachten leider nicht bei meiner Familie sein kann, bin ich froh mit Laura und Josua unterwegs zu sein. Weihnachtsstimmung kommt bei mir nicht so recht auf: es ist hier Sommer, aber das Wetter zeigt sich von sonnig, warm bis nass und kalt. Die Surfer tragen Nikolaus-Mützen.
Raglan: Weihn8tliches Grußbild am Strand (leider schlecht gefotoshoppt ;)

Lauras Aupair-Familie hat ihr viele Süßigkeiten mit gegeben, die uns einen Hauch von Kiwi-Weihnachten vermitteln. In den meisten Orten wo wir übernachten wollen, haben wir "Hostels" (günstige Jugendherbergen) gebucht. Ein Einzelzimmer ist Luxus (kostet mehr). Bis zu 12 Leute in einem Raum voller Doppelstockbetten (ist günstiger). Überall treffen wir auf viele Deutsche. Manchmal ist das etwas nervig, da wir ja auch andere Nationalitäten kennen lernen wollen. Meist unterhalten wir uns mit den Leuten, die wir kennen lernen in Englisch.
Auckland – Christchurch. Mit einem günstigen Inlandsflug geht es auf die Südinsel. Wir landen in Christchurch. Diese Stadt ist vor 2 Jahren von einem schweren Erdbeben zu großen Teilen zerstört worden. Das Zentrum ähnelt einer Geisterstadt: beschädigte Gebäude, Schutthügel, abgesperrte Straßenzüge, leere Hochhäuser, kaum Menschen auf der Straße. Die Einwohner versuchen mit Kunst und verschiedenen Aktionen ihre Stadt wieder schön zu machen. So zum Beispiel die Re:START-Mall (Wiederanfang-Einkaufspassage), gebaut aus Schiffscontainern.
Mit einem Mietwagen fahren wir die Ostküste der Südinsel ab. Die Landschaft ändert sich im Stundentakt. Mal flaches Farmland über grüne Hügel bis dichte „Urwälder“ mit wilden Flüssen um so weiter wir uns von der Küste entfernen.
Herbert. So heißt der Ort. Wir zelten auf einem „DOC“ (kostenloser bis günstiger Campingplatz) in wunderschöner Natur. Wir halten bei den „Moeraki Boulders“. Das sind riesige Steinkugeln die auf dem Strand liegen und vom Meer umspült werden.

Ein paar Kilometer weiter ist Steinküste. Hier sehen wir Pinguine und Seehunde, ganz nah und in freier Natur.

Dunedin. Eine schöne Stadt mit „alten“ Gebäuden im britischen Kolonialstil. Hier gibt es unter anderem die Baldwin Street: steilste Straße der Welt.

Eine Schokoladenfabrik – Mhm, lecker.
Am Lake Mavora (See) „DOC“-Zeltplatz verbringen wir die Nacht. Hier sollen ebenfalls Szenen der bekanntesten neuseeländischen Kinofilmreihe („Herr der Ringe“) gedreht worden sein.
Te Anau. Der Touristenort ist zwei Stunden Autofahrt von den „Milford Sounds“ entfernt. Die Landschaft ähnelt in diesem Fjordland (von Eis geschaffene Landschaft die sehr zerklüftet ist und von Meerwasser umspült wird einem „ kühlen, bergigen Regenwald“. Eine Wand aus Bergen, Wasserfällen, steinigen Flüssen und Buschland. Es regnet 360 Tage im Jahr. Daher zählt dieser Ort zu einem der feuchtesten auf der Welt. Autsch - die nervigen Sandfliegen umschwirren uns und beißen rote Stellen auf die Haut. Ein Touristenmagnet ist hier eine Schiffstour mit zu machen. Laura und Josua haben eine solche gebucht. Ich spaziere, der Weile, durch den Regen und bestaune die einzigartige Natur.
Queenstown. In der Hauptstadt der Extremsportarten wollen wir Silvester verbringen. Unter anderem wurde hier der Bungy-Jump (Gummibandsprung) erfunden. Grund für Josua und mich einen solchen Sprung von der Kawarau Brücke zu wagen. Schreiend stürze ich und tauche nach 43m freiem Fall in den Fluss ein. Bis zum Bauchnabel. Das Gummi zieht mich wieder nach oben. Ich bin klitschnass. Ein unbeschreibliches Hochgefühl durchströmt mich. Adrenalin-Kick pur.
Laura springt nicht, weil sie vor kurzem, in am Lake Taupo (Nordinsel) einen „Skydive“ (Himmelstauchen = Fallschirmsprung), in 1500m Höhe, aus einem Flugzeug gemacht hat. Dagegen ist unser kleiner Hüpfer nur "Pille Palle".
Queenstown liegt am Lake Wakatipu. Die Straßen sind voll von Touristen. An der Bucht im Zentrum sind Bühnen aufgebaut. Bands und DJs stimmen ab der Dämmerung den übervollen Platz auf den Jahreswechsel ein. Die Polizei patrouilliert durch die Menge. In der Öffentlichkeit darf in Neuseeland nämlich kein Alkohol getrunken werden. Die Meisten halten sich daran. Wir zählen kurz vor Mitternacht runter: „...three, two, one – Happy new year“ (...drei zwei eins – Frohes neues Jahr). Ein riesiges öffentliches Feuerwerk begrüßt fünfzehn Minuten lang das neue Jahr 2014. Wir feiern bis die Musik verstummt. Um drei Uhr ist Sperrstunde. Na dann gute Nacht.
Laut Reiseführer und einiger Propaganda, ist es ein Muss für jeden Besucher der Stadt einen Fergburger zu essen. Wir bestellen also in diesem Schnellrestaurant. Obwohl schnell hier das falsche Wort ist. Bis wir unser Riesenbrötchen mit Salat, Fleisch, Soße verspeisen können, vergehen eine Stunde und zwanzig Minuten. Mhm, trotzdem lecker.

Laura und Josua ihr geplanter Rundflug mit dem Helikopter, fällt buchstäblich ins Wasser. Daher buchen sie kurzer Hand eine rasante Jetboot-Tour über einen von Felswänden gesäumten engen Wildwasserfluss. Am Abend überwinden wir mit der „Skyline“-Gondel 200 Höhenmeter und haben einen traumhaften Blick von einem der angrenzenden Berge über die kleine Stadt die sich in die abwechslungsreiche Landschaft einfügt.
Blick von der "Skyline" auf Queenstown.
Greymouth. Wir müssen heute den Haast-Pass durchfahren, der bei schlechtem Wetter für mehrere Wochen gesperrt sein kann. Es regnet in Strömen. Der Pass ist zum Glück offen. Die Landschaft ist ein Kunstwerk der Natur. Die Den „Franz Josef-“ oder den „Fox-Glacier“ (Gletscher) die auf unserem Weg liegen, erkunden wir leider nicht. Der Aufstieg dauert allein schon 2h und das Wetter ist miserabel. Daher fahren wir in eine der Goldgräberstädte, wo das selbige angeblich auf der Straße liegen soll.
Neuer Tag. Zwar hat es die Nacht ordentlich geschüttet aber die Sonne ist trotzdem im Klinsch mit den Wolken. Gold haben wir hier nicht entdeckt. Auf unserer Tagesetappe liegen in Punakaiki die „Pancake Rocks“ (Pfannkuchen-Felsen) auf dem Weg. Die Felsen die von den tosenden Meereswellen angepeitscht werden, sehen aus als hätte ein Maori-Gott sich im Riesen-Steinfladen-backen probiert. Absolut sehenswert.
Nelson. Der Geografische Mittelpunkt Neuseelands. Wir erreichen unsere Unterkunft bei bewölktem Himmel und etwas Sonne. Ein echter Geheimtipp für neuseeländische Südinseltouristen: Diese Herberge ist die Beste, die ich auf meiner bisherigen Reise gesehen habe. Für 25$ die Nacht bekomme ich hier gepflegte Räumlichkeiten und allerhand kostenlose Angebote: Internet, eine Gemüsesuppe zum Abendessen, ein vielseitiges Frühstück, Swimmingpool, Spa, Sauna, und und und. Was vielleicht etwas abschreckt sind die geruchsintensiven, bewusstseinsverändernden Nebelschwaden, die aus den Entspannungszonen der hiesigen Gäste aufsteigen. Wir gestalten unsere Routenplanung für die letzten beiden Tage so um, dass wir uns hier für eine weitere Nacht einbuchen. Eine halbtägige Kajak-Tour führt Laura und Josua an kleine Inseln in der Tasman Bay (Bucht). Ich nutze die Zeit um mich im Internet für ein paar Jobs zu bewerben.
Der letzte Tag der Reise im Auto von Nelson nach Christchurch ist nochmal ein Wechsel von Natur und Farben, der einem fast unwirklich erscheint. Die bergige Landschaft ändert sich von dicht bewachsenen Nadelwäldern über Flachland mit Weinanbaugebieten in Blenheim zu von Grassteppe überwucherten Hügeln. In der Ferne ein schneebedeckter Berg. Wir fahren durch die Touristenstadt Kaikoura an der Ostküste, wo man Wale beobachten kann und beenden den Tag mit den Füßen im Südpazifik.
Zu guter Letzt lasse ich meine einzigartigen Reisebegleiter nun einmal zu Wort kommen. Josua bittet: „Ich möchte, dass du mich (nicht) als Surf-Ass darstellst! :) ... trotzdem, dass nicht gerade das beste Wetter war, hab ich echt geile (wunderschöne) Orte Neuseelands gesehen.“
Unser Südinselgefährt: SUNNY und wir.
Laura meint: „Ich könnte noch mindestens drei Wochen länger hier Urlaub machen. Gerne in einem Ort.“ Josua: „Ich bin für Raglan.“ Laura: „Ja, oder Dunedin.“ Laura: „...hätte ich nicht so gut die Route im Voraus geplant, hätten wir gar nicht so viel erleben können.“ Da stimmen wir Laura zu. Danke Laura. Du hattest den Durchblick. Es war ein ereignisreicher Urlaub, der noch lange nachklingen wird wenn wir allein alle über 1500 gemachten Bilder und vereinzelt Videos anschauen.
Christchurch – Auckland. Nun gilt es nur noch ein paar nächtliche Stunden auf dem Flughafen von Christchurch zu verbringen. Müde und verspannt fliegen wir nach Auckland, wo sich unsere Wege leider wieder trennen. Unser Ausflug zu dritt endet wie er angefangen hat. Ich setze Laura und Josua in Auckland ab. Wir verabschieden uns: „Spätestens in Deutschland sehen wir uns wieder“. Ich fahre in direkt zu meiner anstehende Arbeitsphase. Mal sehen von was ich im nächsten Artikel berichten kann.
Bis bald, sagt der Auslandsreporter für Neuseeland, Christoph.

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